*Die jüdischen Webereiunternehmer Gebrüder Eduard und Paul Wertheimer in Bielefeld-Jöllenbeck

Vor 70 Jahren, am 21. Juli 1942, wurde Eduard Wertheimer in seiner Bielefelder Wohnung tot aufgefunden. Er hatte selbst seinem Leben ein Ende gesetzt, nachdem ihm bekannt geworden war, dass sein Name auf den Transportlisten jenes Zuges stand, der am 31. Juli 1942 mit 590 Juden den Bielefelder Hauptbahnhof in Richtung KZ Theresienstadt verließ. Mit seinem Bruder Paul betrieb er bis 1936 eine große florierende Seidenweberei in Bielefeld-Jöllenbeck mit über 600 Beschäftigten. Als Juden hatten sie unter dem rassenidelogischen Verfolgungsdruck - der "Entjudung" der deutschen Wirtschaft - keine andere Wahl als ihr Unternehmen weit unter Preis zu verkaufen. (2012)

  Aufsatz lesen:      arisierung-wertheimer-bielefeld-1935.pdf  [22.09.2012 / 18 Seiten]



*Neue Gedenktafel für die Gebrüder Wertheimer in Bielefeld-Jöllenbeck aufgestellt (2012)

In einer bewegenden Gedenkstunde wurde am 15.09.2012 an der Jöllenbecker Str. 583 in Gegenwart von Nachfahren der Wertheimer-Familie aus Portugal und Großbritannien eine neue Gedenktafel enthüllt. Die Tafel erinnert an die Bedeutung des Weberei-Unternehmens und die Verfolgung der Familie Wertheimer im Dritten Reich. (2012)

Gedenktafel: wertheimer-gedenktafel-2012.pdf  [2012]
Zeitung NW: wertheimer-nw-18-09-2012.pdf   [2012]
Zeitung NW: wertheimer-nw-07-09-2012.pdf   [2012]
Ansprache: wertheimer-gedenken-ansprache-rath-2012.pdf   [2012]





*Der Überfall der SA auf Missionar Schildmann in 1936

Vor 70 Jahren, am 16. Juli 1936, wird Missionskandidat Ewald Schildmann in seiner Jöllenbecker Wohnung von der SA überfallen und "fürchterlich geschlagen",weil er im Konfirmandenunterricht den Hitlergruß abgelehnt hatte. Er wird von der Bielefelder Geheimen Staatspolizei verhaftet und 15 Tage in Schutzhaft genommen. Nach Haftentlassung wird ihm bis zur Ausreise in den Missionsdienst auf Sumatra ein Aufenthalts- und Redeverbot für Jöllenbeck auferlegt.
Das von der Kirchengemeinde beantragte Strafverfahren wegen Landfriedensbruch wird 1937 durch einen Erlass Hitlers niedergeschlagen. Die Täter aus Jöllenbecker NSDAP- und SA-Kreisen kommen ungestraft davon. Der "Fall Schildmann" beunruhigt und erregt die Jöllenbecker Bevölkerung zutiefst. Er wird als fundamentaler Angriff des Nationalsozialismus auf die evangelische Kirche verstanden. Der Fall Schildmann solidarisiert weite Teile der Jöllenbecker Bevölkerung zu schweigender Ablehnungs- und öffentlicher Verweigerungshaltung gegenüber dem NS-Regime. (2006)

  Artikel lesen:     joellenbeck-schildmann-1936.pdf  [ 2006 / 20 Seiten]



*Die Gemeinde Jöllenbeck im "Dritten Reich" (1935 - 1945)

Ein merkwürdig einmütiges Wissen um die Abgründigkeit der Zeitläufe lag über der Gemeinde", erinnert sich Pfarrer Ernst Kleßmann, der 1935 den Dienst als Ortspfarrer von Jöllenbeck aufnimmt, in seinem Bericht "Sichtungszeit" aus dem Jahr 1954. Wie kein anderer hat er in vorderster Linie in der Leitung der Jöllenbecker Bekennenden Kirche (BK) das NS-Regime als Zeitzeuge erlebt. Im Kampf um die Freiheit der Kirche und den Bestand des gemeindlichen Lebens hat er vielfache Repressalien der örtlichen NSDAP-Kreise und Gestapo Bielefeld gegen die Jöllenbecker Bekenntnisgemeinde und seine eigene Person erfahren. (1954)

  Artikel lesen:     joellenbeck-bekennende-kirche-klessmann.pdf  [2005 / 6 Seiten]

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