BildEin schlichter und heroischer Slogan: "Wir schaffen das"

Ruth Klüger am 27.01.2016 im Deutschen Bundestag

Dies sei der Hauptgrund, warum sie "mit großer Freude" die Einladung angenommen habe, im Rahmen des Holocaust-Gedenktags vor dem Bundestag zu sprechen, sagte Klüger. Trotz Hindernissen und Rückschlägen werde weiterhin an dem zum Deutschland der Nazi-Zeit gegensätzlichen Vorbild gearbeitet "mit dem schlichten und dabei heroischen Slogan: Wir schaffen das." Die Germanistin wurde in Wien unter dem Namen Susanne Ruth als Tochter eines jüdischen Arztes und seiner Frau geboren. Die Familie wurde nach Theresienstadt deportiert und von dort ins Vernichtungslager Auschwitz. Ihr Vater und ihr Halbbruder wurden ermordet. In ihrer Gedenkrede schilderte Klüger ihre Inhaftierung im KZ Groß-Rosen im heutigen Polen, in dessen Außenlager Christianstadt sie als 13-Jährige Zwangsarbeit im Forst und im Steinbruch leisten musste. Ihr eigenes Überleben verdanke sie einem Zufall von wenigen Minuten und der Hilfe einer Frau, die sie nie wiedergesehen habe.

  Rede Ruth Klüger im Deutschen Bundestag 2016

 

BildBetrifft: 'Aktion 3' Deutsche verwerten jüdische Nachbarn
Eine Ausstellung im Stadtarchiv Bielefeld - 06.10.2016 bis 14.01.2017


Die seit Herbst 1941 unter dem Tarnnamen "Aktion 3" durchgeführte Ausplünderung der jüdischen Deportierten war durchorganisiert. Ein Beraubungsnetzwerk aus Finanzbehörden, Zoll- und Devisenstellen und Gestapo sowie diverser Berufsgruppen war mit der Enteignung und Verwertung des Vermögens befasst. Parallel bereicherte sich der Staat über öffentliche Versteigerungen, als die Bevölkerung Mobiliar, Wäsche, Geschirr, Bekleidung etc. ihrer jüdischen Nachbarn erwarb. Die von den Juden vorzulegende Vermögenserklärung dokumentiert die Tiefe der Entrechtlichung, die persönlichste Räume nicht verschonte, sondern sie dem Staat übereignete.

Ergänzt wird Prof. Dr. Wolfgang Dreßens 1999 erstmals gezeigte Wanderausstellung durch Beispiele aus Bielefeld, die Auszubildende der Stadt Bielefeld in den Landesarchiven NRW recherchiert haben. 75 Jahre nach der ersten Deportation aus Bielefeld am 13. Dezember 1941 nach Riga veranschaulichen diese Dokumente die Systematik und Reichweite des Unrechts, das eben nicht heimlich in den Amtszimmern geschah sondern öffentlich.

Webseite und Online-Ausstellung (Stadtarchiv Bielefeld)

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